Douglas Gordon

  • IN THE STILLNESS, 2013
    10 farbige Glühbirnen, Luftgewehr
    Dimensionen variabel
  • Self Portrait of You + Me, 2019
    verbrannter Druck, Rauch, Spiegel
    143,1 x 125,6 x 5 cm
  • Self-Portrait as an Actor, 2017
    Folienplot, Stenciled Spraypaint
    182 x 52 cm

* 1966 geboren in Glasgow

1984 bis 1988 BA Fine Arts Glasgow School of Arts
1988 bis 1990 MA Slade School of Art in London

lebt und arbeitet in Berlin und Glasgow

 

Douglas Gordon wurde 1993 mit der Videoinstallation 24 Hour Psycho bekannt, in der er eine handelsübliche Videokassette von Alfred Hitchcocks Psycho (1960) auf eine Dauer von 24 Stunden ausdehnt. Das Interesse für die Verfremdung von Kino-Ikonen bestimmt seitdem sein Genre. 1998 entsteht die Idee, The Searchers von John Ford aus dem Jahr 1956 auf die Dauer der Handlung des Films, 5 Jahre, auszudehnen (5 year drive by). Sie wurde in Teilen am Drehort des Films, in der Wüste des Monument Valley, verwirklicht.

In "something between my mouth" and "your ear"von 1994 vergegenwärtigt Gordon die Zeit, die er während der Schwangerschaft seiner Mutter in ihrem Bauch vor der Geburt erlebt hat; in einem dunklen Raum hört man aus verschiedenen Lautsprechern Charthits der Zeit von Januar bis zum 20. September 1966, dem Tag seiner Geburt; mit dieser Zeitreise in das Jahr 1966 holt er die Vergangenheit in die Gegenwart und fördert wie ein Archäologe Kulturerzeugnisse vergangener Zeit zutage. Gleichzeitig versetzt er sich und den Zuschauer in seine Vor-Zeit zurück; er misst mit den neun Monaten die Zeit seiner „Produktion“.

In Between Darkness and Light (after William Blake) (1997) verwendet Gordon zwei weitere Klassiker der Kinogeschichte, Der Exorzist von William Friedkin und Das Lied von Bernadette von Henry King. Er projiziert je einen Film von der einen und von der anderen Seite auf eine freistehende, durchscheinende Leinwand, so dass sie sich spiegelverkehrt überlagern.

Feature Film (1999) ist der erste selbstgedrehte Film von Douglas Gordon, eine weitere Auseinandersetzung mit einem Hitchcock-Film. Gordon ließ die einprägsame Filmmusik von Vertigo, die von Bernhard Hermann komponiert wurde, vom Orchester der Opera National de Paris unter seinem damaligen Chefdirigenten James Conlon neu aufführen. Während der Aufführung filmte Gordon das Gesicht und die Hände des Dirigenten mit mehreren Kameras aus verschiedenen Perspektiven. Musik und Bild verschmelzen hier zu einer eigenen Interpretation der bekannten musikalischen Motive, die Verbindung zur filmischen Handlung entsteht im Kopf des Betrachters.

Auf der Art Basel 2006 zeigten Douglas Gordon und der französische Filmemacher Philippe Parreno ihren Film Zidane: A 21st Century Portrait. Darin porträtieren sie den Fußballstar und ehemaligen französischen Nationalspieler Zinédine Zidane über die gesamte Zeit eines Ligaspiels seines Vereins Real Madrid. 16 Hochgeschwindigkeitskameras mit starken Zoomobjektiven wurden am Spielfeldrand sowie auf dem obersten Rang des Stadions postiert, die Zidane alle gleichzeitig, zumeist in Großaufnahme verfolgen. Der Verlauf des Spiels bleibt aufgrund des fehlenden Kommentars und der Konzentration auf einen Spieler unklar. Der Fokus der Betrachtung richtet sich auf Mimik und Gestik Zidanes, auf wiederkehrende Bewegungsmuster und minimale Ausbrüche aus der professionellen Routine des Fußballers.

Das Konzept des Films ist nicht neu, denn bereits 1970 drehte der deutsche Regisseur Hellmuth Costard einen ähnlichen Film („Fußball wie noch nie“) über George Best, damals bei Manchester United. Acht 16 mm Kameras nahmen damals ausschließlich George Best auf. Der Film wurde 1971 von der ARD ausgestrahlt. Dennoch unterscheiden sich die beiden Filme im Hinblick auf die Qualität und Anzahl der Kameras, den Schnitt und die daraus resultierende Bildästhetik. Letztlich werden mit dem charismatischen George Best und dem undurchdringlichen Zidane zwei sehr unterschiedliche Fussballerpersönlichkeiten porträtiert. Douglas Gordon selbst stellte in einem Interview den Bezug zu Andy Warhols Screen Tests her.

Neben den Werken, die sich mit Kinofilmen beschäftigen, sind von Douglas Gordon konzeptuelle Textarbeiten (list of names, 1990-fortlaufend), Fotografien sowie einige Videoinstallationen ausgestellt worden, in denen er historisches Found Footage Material benutzt (Hysterical, 1994/95, 10 ms-1, 1994).

2008 wurde Gordon in die Wettbewerbsjury der 65. Filmfestspiele von Venedig unter dem Vorsitz des deutschen Regisseurs Wim Wenders berufen. Im Mai 2018 wurde Gordon als Mitglied in die Sektion Bildende Künste der Berliner Akademie der Künste gewählt.