Andreas Golder: 35.000 Jahre Salat, eine Zeitreise

27. April – 16. Juni 2012

Die Galerie Michael Fuchs zeigt in der aktuellen Ausstellung mit dem Titel „35.000 Jahre Salat – eine Zeitreise“ Gemälde und Skulpturen des in Berlin lebenden Künstlers Andreas Golder. In der ehemaligen Aula des Gebäudes hängen zwei großformatige Tafeln, die hintereinander aufgereihte Gruppen von 6 Personen darstellen. Oben auf einem Sockel ist die Skulptur mit dem Titel Dyskolos präsentiert, während in den angrenzenden Räumen Einzelportraits der Gruppendarstellung gezeigt sind. Der Titel der Ausstellung „35.000 Jahre Salat – eine Zeitreise“ spielt auf die Geschichte der Kunst bis hin zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Malerei und auf Golders kunsthistorische Zitate an, die stets Gegenstand seiner künstlerischen Auseinandersetzung sind. So arbeitet er sich in den ausgestellten Werkzyklen durch die westliche Kunstgeschichte, variiert und kombiniert Stile, bricht diese auf und fügt sie in eigener Bildsprache zusammen. Die großformatigen Arbeiten sind eine von insgesamt fünf Tafelbildern, in denen Golder den Blindensturz (1568) von Pieter Bruegel d. Ältere (*um 1525/1530 - 1569) interpretiert und sich unbeirrt immer aufs Neue der Herausforderung stellt einen weiteren kompositorischen Bildaufbau zu schaffen.

Die Auflösung des historischen Vorbilds, ihre individuelle Umsetzung in Golders künstlerische Gegenwart ist sein malerisches Ziel. Es sind Bilder, die ihre Kraft aus der Auseinandersetzung mit dem historischen Motiv, der Auflösung in individuelle Formen- und Farbensprache finden und den Betrachter durch ihre Expressivität überraschen. Wie sein historisches Vorbild bricht er die Kompositionsgesetze und entwickelt systematische Bildtiefe, die auf naturgetreue Wolkenformation trifft. Der diagonal abwärts gewandte Weg der figürlichen und teilweise grotesk erscheinenden Figuren weist auf den bevorstehenden Sturz hin, der sich bei Golder in abstrakter Farbexplosion auflöst. Die Souveränität der einzelnen Portraits ist über die Unmittelbarkeit der Bildkomposition und Farbgestaltung gebildet. Mit diversen stilistischen Ansätzen setzt er die Figuren auf die Leinwand, meist skizziert mit ein paar Pinselstrichen, die gleichzeitig durch pastosen Farbauftrag ihre Form ausbilden. Die einzelnen Figuren als auch das Selbstportrait des Künstlers tauchen fragmentiert und skizzenhaft oder im Prozess der Auflösung auf.

Dominant und präsent erscheint Golders Dyskolos auf dem Sockel in der Halle. Die Büste des Misantrophen aus lackiertem Ton auf Sandstein Plinthe ist weit entfernt von einer Idealisierung des menschlichen Abbildes wie bei dem Vorbild Old Man Asleep (1774) von Philippe-Laurent Roland (1746-1816). Die physische Entfremdung der Gesichtszüge über Deformierung und Reduzierung auf geöffneten Mund, Nasen- und Augenhöhlen sind typische Stilmittel für Golders groteske Köpfe und Körper. Der wallende Vollbart und der hohe Ansatz der langen Haare gehen in der Masse des bearbeiteten Tons auf. Bewusst setzt Golder die komisch-phantastische Verzerrung ein, um ein Spannungsverhältnis zwischen dem realistisch geformten Torso und den disharmonischen Formen des Kopfes zu erzeugen. Das Groteske als besondere Ausprägung der Satire findet sich in den Arbeiten von Andreas Golder, die durch den Dualismus zwischen Anziehung und Abstoßung, Faszination und Rückzug überzeugen.

Andreas Golder (*1979), geboren in Jekaterinburg (Rußland), lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte Malerei bei Daniel Richter, Anselm Reyle und Robert Lucander an der Universität der Künste in Berlin. Seine Arbeiten sind in internationalen Privatsammlungen als auch in europäischen Institutionen für Gegenwartskunst vertreten.