Andrej Golder: ассорти assorti

12. September – 31. Oktober 2015

„Da ganz tief unten gibt es nämlich keine Emotionen und Geschichten, keine Gegenständlichkeit und Abstraktion, keine Bedeutung, keinen Sinn, sondern nur ein waberndes Gebräu von Regungen, zu diffus und ungeordnet, um analysierbar zu sein.“

                                                                                                        Dr. Bernhard Stumpfhaus*

Andreas Golder hält der Öffentlichkeit ein neues Konvolut von Arbeiten entgegen. Noch immer lauert in diesen Bildern der Schock über egozentrische Zustände. Diese scheinen verursacht zu werden durch die geballte Unbegreiflichkeit der eigenen und allgemeinen Existenz; eine Konstellation, welche die Radikalität der Arbeit in Folge richtet. Golder macht weiterhin das eigene Dasein zum Programm, konfrontiert den Betrachter damit durch alle Elemente seiner Werke und befeuert die Konfrontation zusätzlich mit Bildtiteln wie Sag mal - hab ich Dir was getan?, Kaka, ich verspäte mich um 15 min oder Weinerliche Abstraktion zu Dekorationszwecken

In der Lesart der Moderne stellen die Werke sowohl inhaltlich als auch ästhetisch ein Problem dar, welches dringend nach Lösung verlangt. Nur diese Lösung findet in den Bildern letztendlich niemals statt. Vielmehr verfestigt sich wiederum alles zu einem neuen Verbund von Material und Farbe, welcher die Herrschaft der primären „Regungen“ verkündet. Empathie aus eigener Erfahrung bietet hingegen eher einen Zugang zu den malerischen Zuständen.

Doch etwas hat sich geändert: während in älteren Arbeiten der Figuration eine Hauptrolle zukam, haben wir es jetzt mehr mit der tieferen organischen Stofflichkeit einer wie auch immer gearteten „Mal-Masse“ zu tun. Es ist verdichtetes Sediment aus Mustern, Bild-Zitaten, abstrakten Grundformen, reinem Farbauftrag, gestisch-pastosen Eingriffen und Firnis, welches das Material tiefgründig auf ganzer Fläche ausbildet. Diese Komprimierung auf „die Rückstände“ des alltäglichen Weiterlebens macht die aktuellen Arbeiten Golders noch dringlicher, weil sie weniger abbildet und mehr selber ist.

Golder schafft es, unsere primären körperlichen Empfindungen, die widersprüchlichen, nebensächlichen und changierenden Signale des organischen Grundsystems, die Interferenzen aus dem Maschinenraumes unseres Rumpfes nicht nur für die Augen abzubilden und der Ratio zu überlassen, sondern eher zum Bild zu machen, welches körperlich wirkt und verarbeitet werden muss.       

* aus: Andreas Golder – Endlich, Katalogtext von Dr. Bernhard Stumpfhaus, 2015