Feminine / Masculine

27. Juni – 07. September 2013

John Bock, William N. Copley, Tony Cragg, André Derain, Silvia Gertsch, Andreas Golder, Thomas Grünfeld, Dirck Jacobsz, Richard Lindner, Floris Michael Neusüss, Franz Reiff, León Spilliaert, Franz von Stuck, José Luis Verdes, Andy Warhol

 

Dass man bei der Gegenüberstellung von Weiblichkeit und Männlichkeit nicht zwangsläufig nur Schwarzweißmalerei betreiben muss zeigt die aktuelle Ausstellung der Michael Fuchs Galerie.

Es gibt das Feminine und das Maskuline und es ist unumgänglich, dass den beiden Geschlechtern verschiedene Attribute zugeordnet werden. Auch in der Kunst ist das Aufzeigen explizit männlicher oder weiblicher Wesenszüge ein gern verwendetes Mittel um die Darstellung einer Person zu kräftigen.

In diesem Sinne malte auch André Derain in seinem Gemälde einer in Gedanken versunkenen jungen Frau. In ihrer Zartheit, Empfindsamkeit und ihrem Anmut verkörpert sie das Weibliche im klassischen Sinne.
Die Fotografien Thomas Grünfelds konfrontieren den Betrachter, wenngleich auch weniger subtil in ihrer ungeschönten Darstellung des nackten weiblichen Körpers, geradezu klischeehaft mit der femininen Erotik.

José Luis Verdes nimmt „typisch männliche“ Eigenschaften wie etwa Kraft, Stärke und Belastbarkeit in seinem Ölgemälde eines sich an einer Kette entlang hangelnden Knaben auf.

Doch dann fällt der Blick auf die Arbeit Tony Craggs. Diese Skulptur ist die in Holz festgehaltene Momentaufnahme einer Person in vollem Lauf. Durch die unklare Darstellung der Figur und die einfache Betitelung mit „Runner“ erhält der Außenstehende keinerlei Aufschluss über das Geschlecht.
Es ist die Wiedergabe des Gesehenen und Erfahrenen welche im Grunde genommen völlig losgelöst vom Geschlecht des Handelnden geschieht, auf die es dem Künstler ankommt. So verzichtet Andy Warhol in seinen Graphitzeichnungen von Männern und Frauen ebenfalls auf die Verwendung geschlechtsspezifischer Merkmale. Dennoch gelingt es ihm, eine präzise Charakterisierung der einzelnen Personen vorzunehmen und sie unmissverständlich als Frau und Mann zu kennzeichnen und zu unterscheiden.

FEMININE/ MASCULINE funktioniert für den Besucher daher auf zwei Ebenen. Zum einen gibt es die deutliche Abgrenzung des Weiblichen und des Männlichen indem der jeweiligen Gruppe zugeordnete Eigenschaften aufgezeigt werden. Und es gibt die zweite Ebene, in der die Zuordnung anhand raffinierterer Mittel stattfindet, nicht zu greifen ist oder gar komplett wegfällt. Diese Grauzone überlässt es der Fantasie und der Beobachtungsgabe des Betrachters, wie er die Geschlechterfrage für sich selbst zu beantworten  vermag.

Nicola Petek