Die Michael Fuchs Galerie zeigt in der Gruppenausstellung mit dem Titel „ARTISTS INVITE FRIENDS“ Arbeiten von Programmkünstlern der Galerie und deren Freunde.

Leiko Ikemura und Günther Förg
Die Arbeiten von Leiko Ikemura (*1951 Tsu / Japan) und Günther Förg (*1952 Füssen / D) erscheinen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich. Die zarte Figürlichkeit der Landschaftsansicht steht dem abstrakten Stil Förgs konträr gegenüber. Bei näherem Betrachten treten jedoch Gemeinsamkeiten hervor, wie die Oberflächenstruktur, die gedeckte Farbigkeit, bis hin zur Suggestion kontemplativer Stimmung. Die gedämpften Farben von Ikemura und Förg sind mehrdeutig, einerseits suggerieren sie Ruhe und Beschaulichkeit und heben die Materialität der Oberfläche hervor, andererseits schaffen sie Schatten, Tiefe und Raum. Bei Förg durch die Zergliederung in geometrisierende Komponenten und bei Ikemura über die räumliche Tiefenkonstruktion.

Johannes Albers und Satu Teresa Król
Die Arbeit von Johannes Albers (*1966 Lingen/D) ist eine Hommage an seine Studienkollegin und langjährige Freundin Satu Król (*1964 -2000). Mit ihr gemeinsam studierte er am Goldsmiths' College. Anhand der ausgestellten Objekte tritt Johannes Albers in künstlerischen Dialog mit seiner bereits verstorbenen Freundin, deren Geschichte er aufgreift und erzählt. Johannes Albers hat das papierbedruckte Objekt von Satu Król nachgebaut und installiert diese Arbeiten zu einem quer aus der Wand ragenden schwarzen Monolith. Die mattschwarze Oberfläche, die an moderne Tarnkappen-Technologie erinnert, greift dominant und bedrohlich in den Raum ein. Wie der Unterwasserteil eines Eisbergs steht diese Arbeit für die unerfüllten Hoffnungen und Geschichten, die in dieser Welt nicht sichtbar sind, aber unser Leben weitestgehend mitbestimmen.

Gama, Georg Parthen, Ralf Rose
Gama (*1977 Baotuo / Mongolei) hat seine Studien- und Atelierkollegen Ralf Rose (*1975 Neuenbürg / D) und Georg Parthen (*1977 Wiesbaden / D) eingeladen ihre Arbeiten in der aktuellen Ausstellung zu präsentieren. In Gamas Arbeit „Das Schlafzimmer des Meisters“ erscheinen Innen- und Außenraum in einer Bildkomposition und können sinnbildlich für seine Vorstellung von europäischer und asiatischer Raumwahrnehmung gedeutet werden. Einerseits die weite karge Hügellandschaft der Mongolei, andererseits einen Raum westlicher Wohnkultur. Die Gegensätzlichkeit ist durch die Lichtführung im Bild unterstützt. Während im spartanisch möblierten Zimmer nahezu unauffällig eine Lokomotive in den Innenraum fährt, beobachtet der auf dem Widderkopf sitzende Schamane über dem Lichtkegel die surreale Szene. In Gamas postrealen Arbeiten verbinden sich Stilmerkmale des Sozialistischen Realismus mit Elementen der Pop Art zu surrealen Bildwelten, deren Motive kulturell geprägt sind.
Die archaischen Plastiken von Ralf Rose entstehen in der Auseinandersetzung mit der menschlichen Daseinsform und ihren Ursprüngen. Er erkundet in seinen Objekten Lebensfragen und Kreisläufe im Hinblick auf Anfang und Ende, Starre und Dynamik und findet in den angewandten Materialien und Formen eine Ausdrucksmöglichkeit dafür. Meist verwendet der Künstler organisches Material, wie Menschenhaar und Tierknochenleim und setzt es in Beziehung zu Stein oder Beton. Daher interferieren in den Skulpturen Statik und Dynamik und seine "Typen" werden in ein gespanntes Schwebeverhältnis versetzt. Die Materialität der Figuren sind Sinnbild für Kraft und Stärke von Lebenszyklen. Obgleich den archaischen Formen der Makel des Primitiven anhängt, beeindrucken die Objekte von Ralf Rose im Kontext der ausgestellten Gegenwartskunst und belegen die zeit- und kulturübergreifende Wirkung archaischer Formensprache und Materialität.
Georg Parthen beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit dem Konzept der Fotografie als dokumentarisches Medium. Seine Arbeiten reflektieren visuelle und inhaltliche Eigenschaften der Dokumentation und spielen mit Elementen von Realität und Fiktion. In seiner Serie Landschaften (2007-2010) bezieht er sich auf Orte der realen Welt, die jedoch in ihrer Ausarbeitung fiktiv organisiert sind. In seiner Arbeit Dorf und Kuppeln erstellt er durch Montage, digitale Beleuchtung und Retuschieren völlig neue Ansichten einer idyllisch gelegenen Einöde oder von amorphen Wabenkuppelbauten, die sich gleichmäßig in eine Hügellandschaft einfügen. Die subtile Manipulation und bedachte Zusammenfügung, die sanfte farbliche Angleichung suggerieren dem Betrachter zunächst landschaftlich vollkommene Ansichten. Parthen spielt mit den Wahrnehmungsmustern, denn einerseits erschließt sich eine einheitliche Bildkomposition, anderseits ist die Perfektion irritierend. In diesem Moment wird das Bild der Reflexion unterzogen, da die fotografische Präzision der Dokumentation in Frage gestellt ist und eine neue visuelle Erfahrung stattfindet. Keine Defizite der Natur sind retuschiert, sondern völlig neue Landschaften entstehen aus der Verschränkung von realen Orten die willkürlich zusammengefügt sind. In seiner neuen Serie Materialstudien untersucht Georg Parthen Materialen der Alltagswelt und inszeniert diese in der Ästhetik der Werbefotografie. Laminat, künstliche Steine, Marmorfolien, Kartonagen und Glas u. a. Gegenstände des Alltags werden im Studio zueinander in Beziehung gesetzt. Der Künstler setzt die von der Werbeästhetik geprägten Wahrnehmungsmuster ein und irritiert durch die Darstellung belanglosen und gewöhnlichen Geräten, Stoffen und Substanzen.

Andreas Golder und Ralf Ziervogel
Die großformatigen Arbeiten von Andreas Golder (*1979 Jekaterinburg) und Ralf Ziervogel (*1975 Clausthal-Zellerfeld) sind zeitgleich in einem Atelier entstanden und harmonieren aus diesem Grund perfekt nebeneinander. Leuchtend weiß die Arbeit Eskimolied von Ziervogel, daneben das abstrakte Werk LASSEN SIE SICH MAL WIEDER ETWAS NEUES EINFALLEN - DER ERFOLG IST GARANTIERT in schwarz von Golder, der sich in dieser Arbeit von seiner gegenständlich expressiven Malerei löst und sich in reiner Abstraktion auf die gemeinsame kosmologische Vision einlässt. Während Golders Titel der Arbeit aus einem Horoskop vom 21. Juni stammt und seinem Werk eine erfolgreiche Prophezeiung verheißt, deuten Farbgebung und Inhalt auf das Universum und seine Galaxien hin. Hingegen Ziervogels Komposition eher Assoziationen zu Sternensystemen und Tierkreiszeichen zulässt und seine sonst splatter- und comichaften Figurengruppen durch kleinste, kaum lesbare Schriftzüge ersetzt sind. Ziervogel verzichtet hier auf seine technisch perfekt ausgeführten und bis in Detail formulierten Splatter-Figuren und mutierte Metamorphosen und ersetzt sie durch ebenso unbändige Wortgewalt. Die Skulptur mit dem Titel GENUG MIT DEM SAUFEN, SEI KEIN SCHEUSAL zeigt die für Golders Skulpturen typische physische Entfremdung der Gesichtszüge über Deformierung und Reduzierung auf geöffneten Mund, Nasen- und Augenhöhlen. Das Groteske als besondere Ausprägung der Satire, die Darstellung menschlicher Entgrenzungen und psychologischer Abgründe prägen die künstlerische Auseinandersetzung von Golder und Ziervogel, die in den beiden ausgestellten Arbeiten jedoch nur angedeutet bleiben.

Paul Hosking und Simon English
Paul Hosking (*1976 Plymouth / GB) und Simon English (* 1959 Berlin) verbindet eine langjährige Freundschaft und eine Vorliebe für Ironie und black humour. Hosking arbeitet vorzugsweise in den Bereichen Skulptur, Objekte und Installationen mit den Materialien Plexiglas, Stahl und Neon-Röhren. In der aktuellen Ausstellung sind zwei Arbeiten von Hosking mit dem Titel Flux und Flo gezeigt, die im Wesentlichen eine konsequente Weiterentwicklung seiner Rorschach Portraits sind, die über Spiegelung von Objekten zur Vervielfältigung gelangen und mit der Wahrnehmung spielen. Wie in vielen von Hoskings Arbeiten schafft der Künstler durch Kombination und Neuinterpretation von bereits Bestehendem neue Arbeiten. Hoskings selbst geht davon aus, dass Neues durch die spielerische Betrachtung von schon Vorhandenem entsteht. Die Gemälde von Simon English ähneln meist Collagen. Mit einer charakteristischen Mischung aus Charme und Besessenheit, integrieren sie Referenzen von Poesie, Autoren und Musik mit Anspielungen auf Freunde und Verwandte. Fast alle der ausgestellten Arbeiten sind in einer scheinbar endlosen Vielfalt von gedämpften, fleischfarbenen und neutralen Tönen gearbeitet. Tatsächlich versinken die Bilder in einer fleisch- und pastellfarbenen Körperlichkeit, die Kontur nicht mehr betont. Seine gemalten Zeichnungen bleiben immer gleich, unabhängig von den Inhalten, einige Arbeiten sind offen erotisch und pornografisch, andere poetisch und narrativ. Simon English schließt in seiner Thematik nichts aus: Er wirft in einer wilden Orgie Verweise auf Popmusik, die Literatur, die Kunstgeschichte, die Politik, die Geschichte und sein persönliches Geschick auf die Leinwand und schafft daraus ein opulentes, aber kontrolliertes Chaos auf gleichförmigen und großen Leinwänden.