Johannes Albers: Brief an die Händler

11. Februar – 02. April 2011

Das eindrucksvollste Reiseerlebnis ist wohl, wie Charlton Heston in dem Film „Planet der Affen“ am Strand spazieren geht und plötzlich die versinkende Freiheitsstatue von New York entdeckt. Nach einer langen, beschwerlichen und aberwitzigen Reise ist er in der Ferne völlig unerwartet genau da gelandet, wo er vor vielen Jahren abgeflogen ist. Zu Hause. Auch Johannes Albers scheint sich auf einer Reise zu befinden und er schreibt uns einen offenen Brief, „Brief an die Händler“, heißt seine neue Ausstellung. Mit Händlern meint er den modernen Homo oeconomicus, dieses seltsame Kosten-Nutzen-Wesen unserer Tage. Der stets das Eigennützige will und stets das Gute schafft. Oder? Albers wagt hier einen Blick hinter die Bilanzen, hinter die Wolken des Marktes und entdeckt dabei, dass der Himmel dieser Welt ganz schön leergefressen ist. Ein Fahrrad, als Weltraumschrott, thront über Allem, wo bei Tizian’s „Mariä Himmelfahrt“ noch ein weiser, bärtiger Mann nach dem Rechten schaute. So hat auch der „Gewinn“ kein breites Grinsen, sondern schwebt als Excalibur-Schwert wundersam und schicksalshaft im Raum. Der Gewinn - eher ein geheimnisvolles Mona-Lisa-Lächeln. Was hält diese Welt im Inneren zusammen? Wenn ein biblischer Mensch vor 2000 Jahren sagen will, was eine Sache im innersten Kern ist, dann erzählt er, wie diese Sache entstanden ist. „Der Ursprung der Welt“ sieht bei Albers aus wie ein gekrümmtes Tischtennis-Spielfeld. In früheren Arbeiten ist dieses Motiv der Ping-Pong-Platte eine Metapher für einen monochromen, romantischen Landschaftsblick. Hier erscheinen körperliche Analogien. Courbet malte 1866 ein kleines Bild „Der Ursprung der Welt“, das einen entblößten Torso einer Frau darstellt. Bei aller Kompliziertheit ist dies der gemeinsame Ausgangspunkt unserer Reise. Eine Reise bei der wir viel gewinnen werden, um am Ende doch alles zu verlieren. Wir sind dann zu Hause.